Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Ingrid Matthäus-Maier fordert ein starkes Beteiligungsrecht für Konfessionslose in Gremien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. „Wenn sich in Deutschland heute nur rund die Hälfte der Menschen zu einer Religionsgemeinschaft bekennt, dann muss sich das in den Gremien der Rundfunkanstalten widerspiegeln“, sagte Ingrid Matthäus-Maier beim fünften Forum für Journalismuskritik in Köln. Die erklärte Atheistin ist Mitglied des WDR-Rundfunkrates, in den sie von drei atheistisch-humanistischen Organisationen entsendet wurde.
Die türkischstämmige Politikerin, Wissenschaftlerin und Autorin Lale Akgün beklagte in der Diskussion über Religion in den Medien, dass konservative Muslime und islamische Verbände zunehmend in der redaktionellen Berichterstattung berücksichtigt werden. „Sie sind Platzhirsche in den öffentlich-rechtlichen Medien. Sie haben von den christlichen Konfessionen gelernt, wie man sich als Ansprechpartner für Politik und Medien etabliert.“ Lale Akgün, die sich selbst als säkulare Muslima versteht, bemängelte die Bevorzugung von „muslimischen Exoten“ in den Medien. Das habe eine verheerende Wirkung und spiele Populisten in die Hände.
Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer, selbst Journalist, warf den Sozialdemokratinnen vor, „ein Zerrbild“ des Einflusses der Religionen auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu zeichnen. „Christliche Konfessionen, der Islam und das Judentum haben einen hohen Anteil an der Bevölkerung. Das muss sich in den Formaten, der Berichterstattung und in den Gremien widerspiegeln.“