Auch fünfzig Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung stehen vielen die Erinnerungen an diese eindrucksvollen Stunden noch klar vor Augen. Zischende Triebwerke, eine wie eine Sternschnuppe über den Himmel jagende Rakete und die ersten unsicheren Schritte auf einem fremden Himmelskörper sind Bilder, die sich so tief ins kollektive Bewusstsein eingebrannt haben, dass man sie manchmal auch an Orten zu sehen glaubt, an denen sie auf den ersten Blick nichts verloren haben.
So dauerte es nicht lange, bis manche begannen, einige der schwer verständlichen Bilder der Bibel zu „entstauben“ und ins Raumfahrtzeitalter zu bringen. Der geheimnisvolle Engel, den Johannes zur Erde herabsteigen sieht, und dessen Beine, die „waren wie Feuersäulen“ (Offb 10,1), erinnern so manchen technikbegeisterten Leser an ein Raumfahrzeug mit typisch feurigen Triebwerken. Das Brüllen von Löwen, das sein Auftreten begleitet, klingt in dieser Vorstellung mehr wie der ohrenbetäubende Lärm eines Raketenstarts. Wer nach solchen Anknüpfungspunkten sucht, wird auch schon im Alten Testament fündig – hier vor allem beim Propheten Ezechiel. Dessen Vision eines himmlischen Thronwagens, der eines Tages aus heiterem Himmel vor einer Gruppe Israeliten landet, begeistert Weltraumfans weltweit. Immerhin sieht der Prophet – inmitten eines mythisch aufgeladenen Gewirrs von Tierköpfen, Flügeln und Augen – auch komplexe Radkonstruktionen und eine Gestalt, die in etwas „wie glänzendes Metall“ (Ez 1,27) gekleidet ist. Eine Beschreibung, bei der so mancher moderne Leser einen Raumfahrer im klassischen Nasa-Anzug im Kopf haben dürfte.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet biblische Texte immer wieder Raumfahrtassoziationen wecken. Für den Vatikan-Astronomen Guy Consolmagno hat die Astronautik immer auch „eine religiöse Seite“. Sie spreche die Träume und Hoffnungen an, die den Menschen von seinen Mitgeschöpfen unterscheidet: „Streben nach Entdeckungen, Kenntniserwerb, Abenteuer.“ Wenn Menschen vor Jahrtausenden davon träumten, ihre kleine Welt hinter sich zu lassen und dem „Himmel“ näherzukommen, ist es nur natürlich, dass Gläubige heute in Bildern ihrer eigenen Zeit denken. Und da werden mythisch überhöhte Streitwagen schon mal zu Raumfahrzeugen. Das ist auch kein Problem, solange man im Hinterkopf behält, dass die Bilder der Bibel immer nur auf noch größere Wunder verweisen. Spätestens mit Jesu persönlicher „Raumfahrt“ wird klar, dass die Versprechen der Bibel jedes moderne Wunder der Astronautik alt aussehen lassen. „Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf“, heißt es in der Apostelgeschichte (1,9). Eine echte Himmelfahrt ganz ohne Raketenantrieb. Und ein Bild für die Ewigkeit.