Gut entscheidenMut und Gottvertrauen an den Wegkreuzungen des Lebens

Manche Entscheidungen machen Stress und Angst. Das muss nicht sein.

Dass wir uns ständig entscheiden müssen, ist uns oft nicht bewusst. Vieles ist ja auch trivial: Fahre ich mit dem Auto oder mit dem Bus zur Arbeit? Mache ich am Nachmittag Sport oder ruhe ich mich auf dem Sofa aus? Wann besuche ich meine Eltern oder wohin fahre ich in den Urlaub?

Es gibt aber auch Entscheidungen, die mein Leben stark verändern. Man kann nur einen Weg weitergehen. Wenn ich zurückschaue, dann habe ich einige solcher Entscheidungen getroffen. Ganz bewusst bin ich etwa Messdiener, Lektor und Kommunionhelfer in meiner Heimatpfarrei geworden. Für mich war es eine Ehre, diese Dienste auszuführen und mich so in der Kirche zu engagieren.

Aus verschiedenen Gründen habe ich nach dem Hauptschulabschluss eine Lehrstelle in einer Bäckerei nicht angenommen. Ich habe mich – nach Beratungen mit meinen Eltern – entschieden, weiterhin die Schule zu besuchen, um so die Mittlere Reife zu erlangen. Im weiteren Verlauf der Schulzeit habe ich mich entschlossen, noch zwei weitere Jahre zur Schule zu gehen. Nach dem Abschluss der Höheren Handelsschule habe ich dann eine Ausbildung beim Finanzamt begonnen.

Mein Dienst in der Kirche und die Begegnung mit einem Ordenspriester haben in mir die Frage geweckt, ob ich nicht auch selbst in dieser Weise Jesus nachfolgen will. Natürlich kann man dies in jedem Beruf und in jeder Lebensweise tun, aber in meinem Herzen begann damals etwas zu brennen. Es war in dieser Situation nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen. Mehrere Argumente lagen auf dem Tisch. Warum gebe ich eine unkündbare Stelle auf? Werde ich das Studium der Theologie erfolgreich abschließen? Bin ich wirklich zum Ordenspriester berufen?

„Wer nur am Ufer steht, wird nie die Kraft dessen erfahren, der Petrus hat nicht untergehen lassen.“

Im Juli 1980 habe ich mit einigen Obermessdienern und unserem Kaplan eine Ferientour in die Schweiz gemacht. Wir haben dort drei Tage in einem Internat unseres Ordens gewohnt. Auf dem Flur sah ich an der Wand ein großes Poster hängen. Als Betrachter hatte man den Eindruck, dass man an einem großen See steht und auf das andere Ufer schaut. Auf dem Poster war folgender Spruch zu lesen: „Wer nur am Ufer steht, wird nie die Kraft dessen erfahren, der Petrus hat nicht untergehen lassen.“ Von diesem Satz wurde ich total ergriffen. Ich habe mich dann entschieden, nach Abschluss der Ausbildung beim Finanzamt einen anderen Weg einzuschlagen. Um im Bild zu bleiben: Ich habe mich vom sicheren Ufer auf den See hinausgewagt. Ich bin in den Salesianer-Orden eingetreten. Die Zeit bis zur Priesterweihe war nicht leicht, und oft hatte ich den Eindruck, dass ich untergehen könnte. Aber ich habe – Gott sei Dank – immer eine Hand gespürt, die mich aus dem Wasser gezogen hat.

Auch nach meiner Priesterweihe habe ich Entscheidungen treffen müssen. Ich war in der Pfarrseelsorge und in der geistlichen Begleitung sowie als Autor tätig. Es gab Versetzungen in andere Städte und Häuser unseres Ordens. Privat galt es ebenso immer wieder Entscheidungen zu treffen. Lasse ich mich auf eine dauerhafte Freundschaft ein? Kann ich sie mit Leben erfüllen? Meine Brüder sind alle verheiratet, haben Kinder und ein eigenes Haus. Manchmal kamen Zweifel auf, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe…

Der Zweifel ist der Bruder des Glaubens. Ohne Zweifel kein Glaube. Als Glaubende werden wir immer wieder den Zweifel spüren. In solchen Lebensphasen ist es wichtig, einen Menschen zu haben, dem man sich anvertrauen kann. Gleichzeitig gibt aber auch die Beziehung und Freundschaft zu Jesus Kraft und Mut. Zu ihm kann ich immer mit meinen Anliegen und Sorgen kommen. Und auch wenn ich vielleicht nicht direkt eine Antwort auf meine Fragen und Zweifel erhalte, hat er Zeit für mich. Überall kann ich mit Jesus in meinem Herzen reden – im Wald, auf dem Zimmer, unterwegs ... Persönlich tut es mir gut, wenn ich in solchen „Krisen“ in unserer Hauskapelle im Salesianum in Eichstätt sitze und ihn an einem übergroßen beleuchteten Kreuz anschauen kann. Dabei sind mir folgende Sätze wichtig. „Ich schaue ihn an, und er schaut mich an. Ich kann zu mir stehen, weil er zu mir steht. Ich kann mich anschauen, weil er mich anschaut.“ Sein Blick ist liebevoll, egal wie mein Leben aussieht. Gestärkt gehe ich dann wieder in mein Zimmer, auch wenn ich nicht alle Fragen beantwortet bekommen habe, nicht alle Zweifel ausgeräumt sind.

Zuflucht nehme ich dann auch bei unserem Ordensheiligen Franz von Sales. Ich bin nichts so sehr als Mensch! Das war sein Leitwort. Wir brauchen nichts Außerordentliches zu tun. Für Franz von Sales war es wichtig, die Freundschaft mit Jesus zu pflegen. Dazu braucht man kein Gebetbuch, sondern es reicht, wenn man etwa ein Stoßgebet nach oben schickt. Dies kann man in jeder Situation tun, und diese Haltung intensiviert die Beziehung zu Jesus.

Franz von Sales hat sich selbst als Mensch mit Glauben und Zweifel erfahren. Der Anblick der Mutter Gottes in einer Kirche in Paris hat in seinem Inneren eine Wende gebracht. Er fühlte sich nicht mehr von Gott verdammt, sondern grenzenlos geliebt. Dies war auch die Geburtsstunde des salesianischen Optimismus.

Der Spruch auf dem Poster in der Schweiz hat mir immer wieder neu die Kraft gegeben, mich zu entscheiden und auf Jesus zu vertrauen. Einmal wurde ich

Einmal wurde ich gefragt, was ich von Jesus halte. Heute antworte ich darauf: Dass er mich hält.

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