„Dankbarkeit ist eine Erwartung, die für Kinder aus entwicklungspsychologischer Sicht eine Überforderung darstellt“, heißt es in einem Artikel, für den die Badische Zeitung mit der Pädagogin und Psychologin Karin Fasseing Heim gesprochen hat. „Dankbar sein bedeutet, den Wert von etwas zu verstehen und zu begreifen, wer oder was zu diesem Wert beigetragen hat“, so Fasseing Heim. Besonders für kleine Kinder sei das ein hochabstraktes, überforderndes Konzept.
Ihr Ratschlag für Erwachsene: Manchmal kann es heilsam sein, darüber nachzudenken, wann man selbst das letzte Mal echte Dankbarkeit empfunden hat. „Mir fallen da vor allem existenzielle Situationen ein wie die Geburt eines Kindes oder das Überstehen einer schweren Krankheit“, beschreibt Fasseing Heim. Aber wer im Alltag darauf achtet, lernt auch Kleinigkeiten ganz neu wertzuschätzen. „Im besten Fall schauen sich die Kinder das Verhalten ab.“ Wenn das nicht auf Anhieb funktioniert, rät die Pädagogin zur Geduld. Manchmal erkennen Kinder erst Jahre später, was man alles für sie getan hat. Und sei es erst, wenn sie selbst Eltern sind.