Der WochenrückblickPoesie überall

Nachrichtenauswahl mit poetischem Einschlag.

Auch wer nie einen Gedichtband zur Hand nimmt, ist von Poesie umgeben. Das betonte der Literaturprofessor Frieder von Ammon in einem Interview zum Welttag der Dichtkunst. „Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie viel mehr mit Lyrik zu tun haben, als sie glauben.“ Immerhin sind auch gereimte Werbe- slogans oder Popsongs im Radio eine Art von Gedicht. Ein Wochenrückblick mit poetischem Einschlag.

1 | München. In der Ruine der abgebrannten Ost-West-Friedenskirche im Münchner Olympiapark wurden jetzt Blechdosen und Plastiksäcke mit mehreren Tausend Mark in Scheinen und Münzen gefunden. Der unerwartete Schatz konnte zu einem Großteil umgetauscht werden und soll nun für den Wiederaufbau eingesetzt werden, wie die Abendzeitung berichtet. Dazu passt ein Ausschnitt aus dem Gedicht Der Schatz von Christian Fürchtegott Gellert: Die Wahrheit, lieber Freund! die alle nötig haben, / Die uns als Menschen glücklich macht, / Ward von der weisen Hand, die sie uns zugedacht, / Nur leicht verdeckt, nicht tief vergraben.

2 | Vatikan. Auch im Vatikan ist ein verlorener Schatz wiedergefunden worden: Die Kreuzabnahme Christi, ein Gemälde des italienischen Renaissancemalers Andrea Mantegna war bereits im 16. Jahrhundert dokumentiert, später aber verschwunden. Erst vor wenigen Jahren ist es wieder aufgetaucht und kann jetzt besichtigt werden. Dazu ein paar Zeilen der Dichterin Ursula Tüncher: Wie ein Gemälde, das man zufällig sieht, / das einen immer mehr fesselt – / viele Kleinigkeiten, / die zum Ganzen führen. / Ich komme nicht los davon.

3 | USA. Der Sparwahn von Präsident Trump trifft jetzt US-Auslandsradiosender, denen die Staatsgelder gestrichen werden. Darunter leiden auch Menschen in Russland, Iran oder Afghanistan, die bisher heimlich US-Radio hören konnten, um der Staatsprogaganda etwas entgegenzusetzen. Triumph der Schwindler und der Narren! / Der freche Wahnsinn wuchert fort, schrieb Karl Henckell 1896 im Gedicht Das letzte Wort.

4 | Kaukasus. Zwischen den lang verfeindeten Ländern Armenien und Aserbaidschan wurde ein Friedensabkommen ausgehandelt. Ein wichtiger Schritt – auch wenn zentrale Fragen in dem Konflikt noch ungeklärt sind. Hoffnungsvolle Worte der Dichterin Eva Rechlin: Der Frieden wächst, wie Rosen blühn, / so bunt, so schön und still. / Er fängt bei uns zu Hause an, / bei jedem, der ihn will.

5 | Deutschland. Apropos Rosen: Nach einer neuen Studie verbringen Deutsche im Schnitt zwölf Minuten am Tag mit Gartenarbeit. Nicht schlecht – denn die Arbeit in der Natur ist nachgewiesenermaßen gut für Körper und Geist. Eine Linde ist mein Lieblingsbaum; / und alle Sommer, welche in ihr schweigen, / rühren sich wieder in den tausend Zweigen, schwärmte schon Rainer Maria Rilke.

6 | Dresden. Auch wer an Demenz leidet kann in der Natur zur Ruhe kommen – oder bei einem Besuch im Museum. Das hilft oft sogar besser als Medikamente, wie eine Studie der TU Dresden jetzt herausgefunden hat. Dazu ein Ausschnitt aus Im Museum des Poeten Rainer Gellermann: So wandelt sich der Kern im Bild / von klar und glatt bis weich und mild, / in Köpfen, die vorüberschreiten / und durch den Lauf der Zeiten gleiten.

7 | Zukunft. Der Philosoph und Jesuit Godehard Brüntrup sieht Künstliche Intelligenz aus theologischer Sicht skeptisch. Eine Welt, in der nur noch Programme Entscheidungen treffen, wäre „metaphysisch erbärmlich“, sagte er bei domradio.de. „Gott interessiert sich letztlich nicht für solche Maschinen.“ Das letzte Gedicht stammt von der KI ChatGPT (die allerdings fünf Anläufe brauchte, um das Reimschema hinzubekommen). Gott sprach: Die Schöpfung soll atmen und leben, / nicht nur nach starren Befehlen sich geben. / Ohne die Seele, die fühlt und begehrt, / wäre die Welt eine Wüste – entleert.

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