Nach der überraschenden Veröffentlichung eines gemeinsamen Buchs zu Priesterschaft und Zölibat sehen sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. und Kurienkardinal Robert Sarah dem Vorwurf ausgesetzt, die Autorität von Papst Franziskus infrage zu stellen. In dem Buch „Des profondeurs de nos cœurs“ („Aus den Tiefen unserer Herzen“), das am 15. Januar zunächst in Frankreich erschien, wenden sich die beiden Autoren gegen eine Abschaffung des Zölibats. Kritiker argumentieren, damit wollten sie den Spielraum des Papstes einschränken, der demnächst eine Entscheidung zu verheirateten Priestern am Amazonas (Viri probati) vorlegen will.
Das Buch besteht aus einem Beitrag Benedikts XVI. („Le sacerdoce catholique“ – Das katholische Priestertum), einem Text Robert Sarahs sowie einem Einleitungs- und einem Schlussteil, die in der Erstauflage von beiden Autoren gezeichnet sind. Im Schlussteil heißt es unter anderem: „Es ist dringend notwendig, dass sich Bischöfe, Priester und Laien nicht länger von schlechten Argumenten, Theateraufführungen, teuflischen Lügen und modischen Fehlern beeindrucken lassen, die den priesterlichen Zölibat entwerten wollen.“
Unter dem Eindruck der weltweiten Medienaufmerksamkeit, die ein Vorabdruck aus dem Buch in der französischen Zeitung „Le Figaro“ auslöste, erklärte allerdings Benedikts Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, der emeritierte Papst erkenne lediglich den Beitrag „Das katholische Priestertum“ als seinen eigenen Text an. Den Rest des Buchs habe Benedikt nicht geschrieben, sondern lediglich „approbiert“. Der französische Verlag Fayard werde angewiesen, Cover und Autorenangaben zu ändern, die nicht mit Benedikt abgesprochen gewesen seien. Kardinal Sarah gibt dagegen an, Benedikt XVI. über alle Vorbereitungen zum Buch informiert zu haben, die Covergestaltung eingeschlossen. Lucas Wiegelmann