Kurzpredigt: 3. Sonntag nach EpiphaniasLebendiges Wasser kennt keine Grenzen

3. Sonntag nach Epiphanias: Johannes 4,5-14

Was Jesus da an Jakobs Brunnen tut, ist eigentlich nicht in Ordnung! Er reist als Jude durch Samarien und spricht als Rabbi allein mit einer Frau. Beides sprengt die Grenzen dessen, was man damals tat! Und wir sind es gewohnt, über Grenzüberschreitungen den Kopf zu schütteln.
Überall ziehen wir Menschen Grenzen. Der Ordnung wegen. Grenzen zwischen Nachbarn, Dörfern und Ländern. Das ist alles rechtlich geregelt. Im Großen wie im Kleinen. Das gilt in der Frage nach einem Staatsgebiet ebenso, wie wenn es darum geht, welche Nachbarn für welche Zaunseite zuständig sind.
Daneben kennen wir alle Grenzen des Anstands, Grenzen des Machbaren und Grenzen der Leistungsfähigkeit. Klar, unser Leben ist ja auch begrenzt.
Leider gewinnt das Grenzenziehen schnell eine unheilvolle Eigendynamik. Manches verhärtet sich und wird irgendwann gar nicht mehr hinterfragt. Es heißt: Das war schon immer so. Und dabei bleibt es dann.

Wenn in dem Dorf meiner Kindheit ein Fest gefeiert wurde, dann kam regelmäßig irgendwann die Jugend des Nachbardorfes dazu. Glauben Sie aber nicht, dass wir das als fröhliche Bereicherung der Festgesellschaft beklatscht hätten. Auf gar keinen Fall! Das war nicht in Ordnung. Ausgerechnet die aus …dorf!
Das übernächste Dorf wäre wieder ganz in Ordnung gewesen. Aber nicht die unmittelbaren Nachbarn! Dafür konnte niemand einen wirklichen Grund benennen, aber unter den Leuten aus meinem Dorf war man sich einig: Die aus …dorf sind anders, und die sind komisch, und die konnte man aus Prinzip nicht leiden. Grenze ist Grenze.
Erstaunlich war, dass diese gegenseitige Abneigung immer dann zu überwinden war, wenn die Liebe ins Spiel kam. Es gab bemerkenswert viele Familien in meinem Freundeskreis, in dem ein Elternteil aus dem einen und der andere aus dem Nachbardorf stammte. Wenn also eine so grundlegende Lebenskraft spürbar wird, dann war es schon immer so, dass erstarrte Prinzipien in den Hintergrund rücken.

Juden und Samaritaner teilen die gleichen Wurzeln. Abraham, Isaak und Jakob sind beider Urväter. Beide, Samaritaner und Juden, folgen den Regeln der fünf Bücher Mose. Und doch empfinden sie sich nach gegenseitigen, verletzenden Grenzüberschreitungen als völlig unterschiedlich. Der Theologe Ekkehard Stegemann nennt das die „Tragödie der Nähe“1 . Da sind sich zwei Gruppen sehr, sehr ähnlich, verstricken sich aber ein ums andere Mal in Auseinandersetzungen, die sich zu festen Fronten verhärten.
Jesus weiß sich sehr wohl exklusiv den Juden zugehörig (Markus 7,27; Matthäus 15,24). Wo immer er mit nicht-jüdischen Meschen in Kontakt kommt, lässt sich aber erkennen: Wo es um Rettung, um Heil und um das ewige Leben geht, da bleibt den Konflikten und Grenzen, die im Alltag viel Bedeutung haben, nur ein Platz in der Rahmenhandlung.
Entscheidender ist dann immer die gemeinsame Frage, was das Leben eigentlich ausmacht. Ob und wie man das Leben zu leben weiß.
Sich dabei auf Grenzen und deren Beachtung zu konzentrieren, ist offenbar nicht der Weg zum Heil. Es geht vielmehr um die Begegnung untereinander.
Die Frau gewinnt stellvertretend für uns ein Gespür von der Vitalität, die im Kontakt mit Jesus liegt.
Und Wasser ist dafür das zentrale Sinnbild. Wasser kennt keine Grenzen. Wenn es fließt, dann bricht es sich Bahn. Faszinierend und gefährlich zugleich. Natürlich ist Wasser ein notwendiges Lebensmittel und Grundlage des Lebens. Ohne Wasser bekommt man Durst. Der Zugang zu Wasser entscheidet über Leben und Tod. Jesus spricht aber vom ewigen Leben.
Er spricht von lebendigem Wasser, von etwas Bewegtem. Mit Leben gefüllt, quillt Wasser ins ewige Leben. Es ist nicht ohne Grund das Element der Taufe. Denn Jesus Christus spricht: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

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