Erstmals Bestattungen aus dem Schmalkaldischen Krieg entdeckt

Sie sind der erste archäologische Nachweis des Donaufeldzuges von Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund im Jahr 1546: Fünf Bestattungen aus dem Heerlager des Kaisers, die Archäologinnen und Archäologen im Jahr 2024 östlich von Lauingen entdeckt haben. Die Gräberfunde zeigen Übereinstimmungen mit den Details eines historischen Gemäldes aus dem Jahr 1551, welches das Heerlager von Kaiser Karl V. bei Lauingen darstellt.

 Gemälde „Heerlager Karls V. bei Lauingen“ von Matthias Gerung.
Gemälde „Heerlager Karls V. bei Lauingen“ von Matthias Gerung.© Hermann Müller, Stadtarchiv Lauingen (Donau)

Bei Laubingen kämpfte Kaiser Karl V. im Jahr 1546 während des Donaufeldzugs im Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) gegen den Schmalkaldischen Bund. Besonders faszinierend ist die Übereinstimmung der archäologischen Funde mit dem Gemälde „Heerlager Karls V. bei Lauingen“, gemalt von Matthias Gerung im Jahr 1551, das sich bis heute im Besitz der Stadt Lauingen befindet. Die Lage des kaiserlichen Heerlagers auf dem historischen Gemälde entspricht dem Fundort der Bestattungen.

Bei den fünf Toten handelt es sich um junge Männer. Veränderungen an ihren Schienbeinknochen deuten auf eine starke Überbelastung der Beine hin – womöglich ein Hinweis auf die historisch nachvollziehbaren langen Märsche der Truppen. Normalerweise finden sich in Gräbern dieser Zeit keine Münzen oder Reste von Schuhen. In Lauingen jedoch wurde der Verschluss eines Stiefels mit Haken und Ösen gefunden, der auch auf dem Gemälde von Matthias Gerung abgebildet ist.

Links: Archäologischer Fund, Haken und Ösen eines Stiefelverschlusses. Foto: BLfD Rechts: Stiefel auf dem Gemälde „Heerlager Karls V. bei Lauingen“ von Matthias Gerung. Foto: Hermann Müller, Stadtarchiv Lauingen (Donau)
Links: Archäologischer Fund, Haken und Ösen eines Stiefelverschlusses. Foto: BLfD Rechts: Stiefel auf dem Gemälde „Heerlager Karls V. bei Lauingen“ von Matthias Gerung. Foto: Hermann Müller, Stadtarchiv Lauingen (Donau)

Bereits in der Vergangenheit sind Archäologinnen und Archäologen auf beiden Seiten der ehemaligen römischen Donau-Nord-Straße auf einzelne Körperbestattungen gestoßen. Die nun entdeckten Gräber lassen jedoch erstmals eine Datierung zu, denn in einem der Gräber wurden vier kleine Silbermünzen gefunden. Anhand der Prägungen der Münzen lässt sich feststellen, dass sie aus dem 16. Jahrhundert stammen.

„Das Alter der Münzen legt nahe, dass die Bestattungen im direkten Zusammenhang mit dem kurzen Zeitraum des Schmalkaldischen Krieges zwischen Oktober und November 1546 stehen. Damals wurde in Lauingen Weltgeschichte geschrieben, als der Konflikt zwischen der kaiserlichen Zentralgewalt und den protestantischen Fürsten und Städten zugunsten Kaiser Karl V. entschieden wurde“, sagt Dr. Johann Friedrich Tolksdorf, stellvertretender Leiter der Bodendenkmalpflege in Schwaben am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD).

Zum Hintergrund: Im Schmalkaldischen Krieg kämpfte Kaiser Karl V. gegen den protestantischen Schmalkaldischen Bund, eine Allianz protestantischer Fürsten und Städte im Heiligen Römischen Reich. Der Kaiser wollte den Protestantismus im Römischen Reich zurückdrängen und seine Macht gegenüber den Reichsständen stärken. Nachdem der Schmalkaldische Bund zuerst das Allgäu und den Donauraum zwischen Ulm und Donauwörth besetzt hatte, wendete sich im September 1546 das Blatt zugunsten des Kaisers. Verstärkt durch Truppen aus den Niederlanden durchzog das kaiserliche Heer das Ries und nahm am 9. Oktober 1546 Donauwörth ein. Am 13. Oktober 1546 erreichte es die Stadt Lauingen, die sich kampflos ergab. Der Moment, in dem der Rat der Stadt Lauingen dem Kaiser in seinem Heerlager huldigen musste, wurde 1551 durch den Maler Matthias Gerung festgehalten.

Meldung Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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