Tines praktische TheorieBin ich hier eigentlich im Kindergarten?

Illustration von einer Artistin mit einer gestreiften Strumpfhose und einem roten Latzhosenkleid die auf einem Hochseil auf einem Einrad mit verschieden, erzieherischen Werkzeugen jongliert

Ja guten Tag auch! Wir kennen uns doch, nicht wahr? Ich bin es, die Tine aus dem Norden, die hier vor einiger Zeit die Kolumne schrieb und dann plötzlich nicht mehr. Aber wie wir das so oft in unserem Beruf erleben: Irgendwie kann ich auch nicht ohne. Ich habe in der Zwischenzeit meinen Fachwirt gemacht und leite eine Einrichtung. Und wenn ich vorher dachte: „Na komm, du bist ja immer noch im Kindergarten, es ist halt nur ein bisschen anders“, kann ich heute sagen: Es ist ein vollkommen anderer Beruf, nur im gleichen Gebäude. Als würde man sagen: Hier in unserem Sprengmeisterübungsraum finden nachmittags auch Yogakurse statt.
Wenn ich morgens meine Runde durch die Teams gehe, sammle ich Themen ein wie ein Winzer seine Trauben bei der Lese. Dann gehe ich in mein Büro – wenn nicht der Krankenstand von mir fordert, dass ich gleich in der ersten Gruppe bis mittags bleibe –, schließe die Tür und sortiere alles nach wichtig und dringend wie die Post am Fließband.
Inzwischen hat das Telefon aber schon dreimal geklingelt und ich bediene auch hier alle Belange von Gebäudemanagement bis Eltern, die nach Fotos von der Eingewöhnung fragen, ein bisschen wie bei der Telefonseelsorge. Fahren wir mal den Rechner hoch und lassen uns von der abstürzenden Verwaltungssoftware ablenken. Hier beweise ich mein Talent als IT-Spezialistin und checke nebenher die Mails vom Amt für Teilhabe und Soziales mit Abfragen zum Status.
Ab auf die To-do-Liste damit. Wichtig? Dringend? Eigentlich beides. So wie alles in unserem Job. Na, da klingelt auch schon das Telefon, der Kollege ist weiterhin kindkrank, dann machen wir uns doch direkt mal an die Dienstplanung und bringen unser Talent fürs strategische Puzzeln in die Kompetenzpalette ein. Ein kurzer Blick auf die To-do-Liste: Ich schreibe schnell „Dienstplan neu KW 15“ und hake es direkt ab. Fühlt sich gut an, macht ihr doch auch so, oder?
So jongliere ich mich und mein Team wie eine Zirkusartistin durch den Tag, die Woche und die Jahresuhr. Denn die steht auch im Leitungsbüro niemals still. Nur heißen meine Feste jetzt Platzvergabe, Personaltableau und Mitarbeitendengespräche. Der ganz normale Kita-Wahnsinn kommt natürlich trotzdem nicht zu kurz, und so werde ich euch auch weiterhin von schnoddrigen kleinen Nasen, Eskalationen am Elternabend und der hohen Kunst der Sandkastendiplomatie berichten können. Ich freue mich, mit dieser Kolumne wieder Leichtigkeit leben und teilen zu können. Denn ohne Gelassenheit und Humor wäre das doch alles nichts für uns.

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