Nach dem Regierungswechsel stellen wir uns einmal mehr die bange Frage: Werden Kitas als unsere wichtigsten Bildungsorte bundespolitisch im Fokus bleiben? Oder kehrt ihr „Gedöns“-Image, das ihr ein Altkanzler einmal verpasst hat, angesichts der weltpolitischen Lage wieder zurück?
Letzteres darf keine Option sein, wenn man bedenkt, vor welchen bildungspolitischen Herausforderungen Deutschland steht: In NordrheinWestfalen wurden im vergangenen Schuljahr über 100.000 Kinder und Jugendliche in sprachlicher Erstförderung unterrichtet, um Deutsch zu lernen. In Berlin gelten 45 Prozent der Grundschüler:innen beim Lesen und Rechnen als „Risikogruppe“. Und PISA zeigt, dass es sich dabei nicht um regionale Einzelphänomene handelt.
Fest steht: Kitas leisten einen großen Beitrag dazu, dass kein Kind zurückbleibt und seine Teilhabe am Unterricht gesichert ist. Mein Appell an die Bundesregierung: Sorgt dafür, dass Kitas ihrer Verantwortung als Bildungsorte auch wirklich gerecht werden können.
Frühe Sprachbildung muss gestärkt werden
Leider ist es vielerorts Fakt, dass der Sprachstand vor der Einschulung erst so spät erhoben wird, dass Kitas bei festgestelltem Förderbedarf nicht mehr wirksam gegensteuern können. Nachhaltiger wäre da eine Initiative des Bundes, digitale Instrumente zur Sprachstandserhebung dauerhaft in den Kita-Alltag zu integrieren. Und tatsächlich wollen die voraussichtlichen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD etwas für diesen Bereich tun. In ihrem Sondierungspapier heißt es: „… werden wir die Sprachkitaprogramme wieder einführen und das Startchancenprogramm fortführen und weiterentwickeln.“ So eine Positionierung lässt hoffen, denn sie war angesichts der beherrschenden Themen nicht ohne Weiteres zu erwarten.
Bundesweite Qualität braucht Monitoring
Die Kita-Qualität in Deutschland gleicht noch immer einem Flickenteppich. Trotzdem gibt es nach wie vor kein Kita-Qualitätsgesetz mit bundesweiten Standards – trotz mehrerer Anläufe. Zudem liegt die letzte umfassende Erhebung der pädagogischen Qualität in Kitas NUBBEK schon über ein Jahrzehnt zurück. Und externe Evaluation ist längst noch nicht überall Pflicht.
Es fehlt also an aktuellen und repräsentativen Daten für die Qualitätsentwicklung. Regelmäßiges Monitoring könnte als essenzieller Baustein die Entwicklung der frühkindlichen Bildung objektiv bewerten und steuern. Zugegeben: Die Wunschliste für unser desolates Bildungssystem ist lang und die Handlungsmacht des Bundes auf diesem Gebiet zugleich begrenzt. Dennoch kann er – wie auch in der Vergangenheit schon – in die beiden genannten Felder durch sinnvolle Anreize hineinwirken. Schließlich sollen alle Kinder in Deutschland dieselbe Chance auf Schulerfolg, Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben haben. Wo wäre die zentrale Verantwortung dafür also besser verortet als bei der Regierungskoalition in der Hauptstadt?